13 Praxis-Artikel zu den häufigsten Fragen rund um Pflege – von Pflegegrad beantragen über Widerspruch, Pflegeheim-Kosten und §5 Prävention bis zu Vorsorgevollmacht und Entlastungsangeboten.
Sobald das Thema Pflege im Alltag auftaucht, stehen die meisten Familien vor einem Berg aus Formularen, Fristen und Fachbegriffen. Ein unabhängiger Pflegeberater hilft Ihnen, den Überblick zu behalten und keine Leistungen zu verschenken.
Kostenlose Beratung durch die Pflegekasse vs. unabhängige Beratung
Jeder Versicherte hat nach § 7a SGB XI Anspruch auf kostenlose Pflegeberatung durch die Pflegekasse. Diese Berater sind jedoch Angestellte der Kasse – ein Interessenkonflikt ist möglich. Unabhängige Pflegeberater arbeiten ausschließlich in Ihrem Interesse und kennen oft Leistungen und Tricks, die kassengebundene Berater nicht aktiv empfehlen.
In diesen Situationen lohnt sich unabhängige Beratung besonders
Erstantrag Pflegegrad: Ein Berater kennt die Kriterien des NBA und kann einschätzen, ob ein Antrag Aussicht auf Erfolg hat.
Widerspruch: Wurde Ihr Pflegegrad abgelehnt oder zu niedrig eingestuft, hilft ein Berater bei der Begründung.
Akute Pflegesituation: Nach Krankenhausentlassung muss oft sehr schnell gehandelt werden.
Überforderung: Wenn die Pflege zur Belastung wird, zeigt ein Berater Entlastungsmöglichkeiten auf.
💡 Gut zu wissen: Sie haben Anspruch auf einen Beratungsbesuch in Ihrer häuslichen Umgebung. Viele unabhängige Berater bieten kostenlose Erstgespräche an – auch telefonisch oder per Videocall.
Sie haben einen Pflegegrad beantragt und die Pflegekasse hat abgelehnt oder einen zu niedrigen Pflegegrad bewilligt? Das ist leider keine Seltenheit. Rund ein Drittel aller Widersprüche gegen Pflegegrad-Bescheide ist erfolgreich. Es lohnt sich also, aktiv zu werden.
Schritt 1: Frist beachten
Sie haben einen Monat ab Zustellung des Bescheids Zeit für den Widerspruch. Diese Frist ist nicht verhandelbar. Handeln Sie also schnell – zur Not genügt zunächst ein formloser Widerspruch per Einschreiben, den Sie später begründen.
Schritt 2: Gutachten anfordern
Fordern Sie das MD-Gutachten bei Ihrer Pflegekasse an. Das ist Ihr Recht. Im Gutachten steht genau, welche Module wie bewertet wurden. Oft finden sich hier Fehler oder Unterschätzungen.
Schritt 3: Professionelle Hilfe holen
Ein unabhängiger Pflegeberater oder Pflegegutachter kann das MD-Gutachten fachlich prüfen und eine fundierte Widerspruchsbegründung verfassen. Das erhöht Ihre Erfolgschancen erheblich.
⚠️ Häufiger Fehler: Viele Betroffene beschreiben im Widerspruch die „guten Tage" statt der schlechten. Beschreiben Sie immer den Hilfebedarf an einem schwierigen Tag – denn danach richtet sich der Pflegegrad.
🔧 Jetzt selbst prüfen: Berechnen Sie mit unserem Pflegegrad-Rechner, welcher Pflegegrad realistisch ist – und sehen Sie mit der Leistungsübersicht, was Ihnen bei einem höheren Grad zustehen würde.
Was passiert nach dem Widerspruch?
Die Pflegekasse prüft Ihren Widerspruch und kann eine erneute Begutachtung veranlassen. Wird der Widerspruch abgelehnt, bleibt der Klageweg beim Sozialgericht – kostenlos in der ersten Instanz.
Pflegestützpunkte: Landesfinanziert, neutral und kostenlos. 421 Stellen bundesweit im Lotse.
Wohlfahrtsverbände: AWO, Caritas, DRK, Diakonie und Paritätischer bieten kostenlose Pflege-Erstberatung. 110 Stellen im Lotse.
Erstberatung unabhängiger Berater: Viele bieten ein kostenloses Erstgespräch (15-30 Minuten) zur Orientierung an.
Verbraucherzentralen: Bieten Pflegeberatung zu geringen oder keinen Kosten an. 17 Landesverbände im Lotse.
Kostenpflichtige Leistungen
Wenn ein unabhängiger Berater umfangreicher tätig wird, fallen je nach Leistung unterschiedliche Kosten an:
Begleitung MD-Begutachtung: ca. 80 – 200 €
Widerspruchsbegründung: ca. 150 – 400 €
Umfassende Pflegeplanung: ca. 200 – 500 €
Stundensätze: üblicherweise 60 – 120 € pro Stunde
✅ Kostenübernahme möglich: In manchen Fällen übernimmt die Pflegekasse die Kosten für externe Beratung. Fragen Sie nach! Auch können die Kosten als „außergewöhnliche Belastung" steuerlich absetzbar sein.
🔧 Leistungsansprüche berechnen: Nutzen Sie unsere Leistungsübersicht, um zu sehen, welche finanziellen Ansprüche Ihnen zustehen. Oft übersteigt der entgangene Leistungsanspruch die Kosten einer Beratung um ein Vielfaches.
💰 Berater mit kostenloser Erstberatung in Ihrer Nähe
Der Besuch des Medizinischen Dienstes (MD, ehemals MDK) entscheidet über Ihren Pflegegrad. Eine gute Vorbereitung kann den Unterschied zwischen Pflegegrad 2 und 3 ausmachen – das sind immerhin mehrere hundert Euro monatlich.
Die 10 wichtigsten Tipps
Pflegetagebuch führen – Mindestens 2 Wochen vor dem Termin. Notieren Sie jeden Hilfebedarf mit Zeitaufwand.
Alle Unterlagen bereithalten – Arztbriefe, Medikamentenplan, bestehende Gutachten, Krankenhausberichte.
Bezugsperson anwesend – Die pflegende Person sollte beim Termin dabei sein und aktiv berichten.
Schlechte Tage beschreiben – Der MD bewertet den Hilfebedarf, nicht die guten Tage.
Nichts beschönigen – Vermeiden Sie es, sich für den Besuch „herauszuputzen" oder aufzuräumen.
Alle 6 Module kennen – Mobilität, kognitive Fähigkeiten, Selbstversorgung, Umgang mit Krankheit, Alltagsgestaltung, Haushaltsführung.
Nachtpflege erwähnen – Nächtliche Hilfebedarfe werden oft vergessen, zählen aber mit.
Demenz-Symptome dokumentieren – Orientierungslosigkeit, Weglauftendenz, Vergesslichkeit konkret benennen.
Hilfsmittel zeigen – Rollator, Pflegebett, Inkontinenzmaterial – alles, was den Pflegebedarf belegt.
Protokoll führen – Notieren Sie nach dem Termin, was besprochen wurde. Das hilft bei einem eventuellen Widerspruch.
💡 Profi-Tipp: Viele unabhängige Pflegeberater bieten eine Begutachtungs-Begleitung an. Sie sind beim Termin dabei, ergänzen wichtige Informationen und sorgen dafür, dass nichts vergessen wird.
🩺 Vorab testen: Machen Sie unseren Pflegegrad-Schnelltest – er bewertet alle 6 Module nach dem NBA-Verfahren. So wissen Sie vorher, wo die Punkte liegen und können gezielt vorbereiten.
Jeder Pflegebedürftige mit anerkanntem Pflegegrad (1-5) hat Anspruch auf den Entlastungsbetrag von 131 € monatlich (§ 45b SGB XI, Stand 2025/2026). Trotzdem verfällt dieser Betrag bei geschätzt der Hälfte aller Berechtigten – weil viele nicht wissen, wofür sie ihn einsetzen können.
Wofür kann der Entlastungsbetrag genutzt werden?
Angebote zur Unterstützung im Alltag – Einkaufshilfe, Begleitung zu Arztterminen, Spaziergänge, Betreuungsgruppen
Tagespflege / Nachtpflege – Eigenanteile an teilstationärer Pflege
Kurzzeitpflege – Eigenanteil bei vorübergehender stationärer Pflege
Ambulante Pflegedienste – Bei Pflegegrad 1 auch für körperbezogene Pflege
Nicht vergessen: Ansparen möglich!
Nicht genutzte Beträge können in das Folgejahr übertragen werden. Die angesparten Beträge aus dem Vorjahr müssen bis zum 30. Juni des Folgejahres verbraucht sein, sonst verfallen sie.
Kombination mit Verhinderungspflege
Seit Juli 2025 gibt es den Gemeinsamen Jahresbetrag von 3.539 € für Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege (ab Pflegegrad 2). Dieses Budget ist flexibel einsetzbar – ein großer Vorteil gegenüber der früheren starren Trennung.
🔧 Verhinderungspflege berechnen: Mit unserem Verhinderungspflege-Rechner sehen Sie genau, wie viel vom Gemeinsamen Jahresbetrag Ihnen noch zur Verfügung steht und wie Sie ihn optimal nutzen.
✅ Rechenbeispiel: 131 € × 12 Monate = 1.572 € jährlich. Bei Pflegegrad 1, wo es kein Pflegegeld gibt, ist der Entlastungsbetrag oft die einzige finanzielle Unterstützung. Nutzen Sie ihn!
🔧 Kostenloser Rechner: Mit unserem Entlastungsbetrag-Rechner können Sie in wenigen Klicks berechnen, wie viel Ihnen zusteht – inklusive Umwandlung der Sachleistung für bis zu 40 % mehr Budget.
Die Diagnose Demenz verändert alles – für Betroffene und Angehörige gleichermaßen. In den ersten Wochen und Monaten stehen viele wichtige Entscheidungen an. Dieser Ratgeber gibt Orientierung.
Sofort erledigen
Vorsorgevollmacht & Patientenverfügung: Solange die betroffene Person noch geschäftsfähig ist, sollten diese Dokumente erstellt oder aktualisiert werden.
Pflegegrad beantragen: Bereits bei leichter Demenz ist Pflegegrad 1 oder 2 realistisch. Ab Pflegegrad 2 gibt es Pflegegeld.
Schwerbehindertenausweis beantragen: Demenz wird in der Regel mit GdB 50+ anerkannt – das bringt steuerliche Vorteile und Nachteilsausgleiche.
Kurzfristig angehen
Wohnung sichern: Stolperfallen entfernen, Herd absichern, GPS-Tracker bei Weglauftendenz.
Entlastung organisieren: Tagespflege, Betreuungsgruppen, stundenweise Seniorenbetreuung – den Entlastungsbetrag von 131 €/Monat nutzen!
Schulung besuchen: §45-Kurse für pflegende Angehörige sind kostenlos und werden von der Pflegekasse bezahlt.
Demenz-Beratungsstelle aufsuchen: Spezialisierte Berater kennen regionale Angebote und Hilfsnetzwerke.
💡 Wichtig für die Begutachtung: Demenz wird im NBA über das Modul 2 (Kognitive und kommunikative Fähigkeiten) und Modul 3 (Verhaltensweisen und psychische Problemlagen) erfasst. Dokumentieren Sie konkrete Situationen: Vergisst den Herd auszuschalten, findet nicht nach Hause, erkennt Angehörige nicht mehr.
🔧 PflegePur Demenz-Tools: Unser Demenz-Wegweiser begleitet Sie Schritt für Schritt. Prüfen Sie mit dem Pflegegrad-Rechner, welcher Pflegegrad realistisch ist, und sehen Sie in der Leistungsübersicht, was Ihnen zusteht.
Langfristig planen
Demenz ist eine fortschreitende Erkrankung. Planen Sie frühzeitig, wie die Pflege in 1-2 Jahren aussehen kann. Welche Wohnform kommt in Frage? Kann die häusliche Pflege auf Dauer sichergestellt werden? Ein Berater hilft Ihnen, vorausschauend zu planen statt von Krise zu Krise zu reagieren.
In Deutschland gibt es über 990 Beratungsstellen rund um die Pflege – doch sie sind nicht alle gleich. Je nach Situation kann eine andere Anlaufstelle die richtige sein. Dieser Überblick hilft bei der Orientierung.
Pflegestützpunkte (421 bundesweit)
Pflegestützpunkte sind die erste Anlaufstelle für die meisten Pflegefragen. Sie werden von Land und Pflegekassen gemeinsam finanziert und beraten kostenlos, neutral und wohnortnah. Ideal für: Erstberatung, Pflegegrad-Antrag, Leistungsüberblick, Vermittlung an Fachstellen.
Wohlfahrtsverbände (110 Beratungsstellen)
Die großen Wohlfahrtsverbände – AWO, DRK, Caritas, Diakonie und der Paritätische – betreiben eigene Pflege-Beratungsstellen. Diese sind besonders stark bei konkreter Vermittlung von Diensten, da die Verbände selbst Pflegedienste, Tagespflegen und Einrichtungen betreiben. Konfessionelle Bindung ist für die Beratung keine Voraussetzung.
EUTB – Teilhabeberatung (148 Stellen)
Die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung richtet sich an Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen. Besonders relevant bei: Kombination aus Pflege und Behinderung, Eingliederungshilfe, persönliches Budget, Assistenzleistungen, Übergang von Pflege zu Teilhabe.
Verbraucherzentralen (17 Landesverbände)
Die Verbraucherzentralen bieten unabhängige Pflege-Rechtsberatung – besonders hilfreich bei Vertragsfragen, Abrechnungsproblemen mit Pflegediensten und allgemeinen Verbraucherrechten in der Pflege. Die Beratung ist in der Regel kostengünstig (5–15 €).
Alzheimer-/Demenzberatung (88 Stellen)
Spezialisierte Alzheimer Gesellschaften und Demenz-Beratungsstellen kennen regionale Entlastungsangebote, Betreuungsgruppen und Schulungen für Angehörige. Ideal bei Verdacht auf oder bestehender Demenz-Diagnose.
Sozialverbände – VdK & SoVD (61 Stellen)
VdK und SoVD sind stark bei Widerspruch und Klage. Als Mitglied erhalten Sie rechtliche Vertretung bis zum Sozialgericht – bei Pflegegrad-Ablehnung oft der effektivste Weg.
💡 Tipp: Sie müssen sich nicht für eine Stelle entscheiden. Kombinieren Sie: Pflegestützpunkt für den Erstüberblick, Wohlfahrtsverband für konkrete Dienstvermittlung, VdK für den Widerspruch. Alle Stellen beraten unabhängig voneinander.
🧭 Alle auf einer Karte: Im Pflege-Lotse Ressourcen-Finder können Sie nach allen Kategorien filtern und Beratungsstellen in Ihrer PLZ-Region finden – mit Adresse, Telefon und Öffnungszeiten.
Neben professionellen Pflegediensten gibt es in Deutschland tausende niedrigschwellige Angebote zur Unterstützung im Alltag nach §45a SGB XI. Diese werden oft übersehen – dabei können sie den Unterschied zwischen „ich schaffe das" und Überforderung ausmachen.
Was sind §45a-Angebote?
Landesrechtlich anerkannte Helfer und Dienste, die Pflegebedürftige im Alltag unterstützen. Sie werden über den Entlastungsbetrag (131 €/Monat) finanziert und sind damit für jeden mit Pflegegrad nutzbar. Drei Hauptkategorien:
Nachbarschaftshelfer: Einzelpersonen mit Schulung (30–40 Stunden), die stundenweise unterstützen – beim Einkaufen, Kochen, Spaziergängen oder als Gesellschaft. Besonders im ländlichen Raum oft die einzige verfügbare Hilfe.
Alltagsbegleiter / Betreuungsdienste: Organisierte Dienste mit geschultem Personal für regelmäßige Betreuung – Gedächtnistraining, Vorlesen, Begleitung zu Terminen, gemeinsame Aktivitäten.
Hauswirtschaftliche Hilfen: Unterstützung bei Haushalt, Wäsche, Mahlzeiten – alles, was zur eigenständigen Lebensführung beiträgt.
Warum werden diese Angebote so selten genutzt?
Das Problem ist nicht das Angebot, sondern die Auffindbarkeit. Es gibt keine zentrale Bundesdatenbank. Jedes Bundesland führt eigene Verzeichnisse bei verschiedenen Behörden – Landesämter, Bezirksregierungen, Kommunen. Genau diese Lücke wollen wir mit dem Pflege-Lotse schrittweise schließen.
Wie finde ich passende Angebote?
Pflegestützpunkt fragen: Kennt die regionalen Anbieter und kann direkt vermitteln.
Pflegekasse anfragen: Muss nach §7 Abs. 3 SGB XI eine Liste anerkannter Anbieter bereitstellen.
Wohlfahrtsverbände: AWO, DRK, Caritas und Diakonie betreiben selbst viele §45a-Angebote.
Pflege-Lotse: Im Ressourcen-Finder können Sie nach Entlastungsangeboten in Ihrer Region suchen.
⚠️ Achtung: Nur landesrechtlich anerkannte Anbieter dürfen über den Entlastungsbetrag abrechnen! Fragen Sie vor Beauftragung immer nach der Anerkennung nach §45a SGB XI in Ihrem Bundesland. Private Putzhilfen ohne Anerkennung können nicht über den Entlastungsbetrag bezahlt werden.
Kosten und Abrechnung
Die Abrechnung läuft meist als Kostenerstattung: Sie beauftragen den Dienst, bezahlen die Rechnung und reichen sie bei der Pflegekasse ein. Manche Anbieter rechnen auch direkt mit der Kasse ab. Typische Stundensätze: Nachbarschaftshelfer 8–15 €, organisierte Dienste 15–35 €.
🔧 Entlastungsbetrag berechnen: Mit dem Entlastungsbetrag-Rechner sehen Sie genau, wie viel Budget Ihnen zur Verfügung steht – inklusive angesparter Beträge aus dem Vorjahr (Frist: 30. Juni).
Der Pflegegrad ist der Schlüssel zu allen Leistungen der Pflegeversicherung. Ohne anerkannten Pflegegrad gibt es kein Pflegegeld, keine Sachleistungen und keinen Zugang zu Verhinderungspflege oder Kurzzeitpflege. Hier erfahren Sie, wie der Antrag funktioniert – und welche Fehler Sie vermeiden sollten.
Schritt 1: Antrag bei der Pflegekasse stellen
Der Antrag ist formlos möglich – ein Anruf bei der Pflegekasse genügt. Die Pflegekasse ist immer an Ihre Krankenkasse angegliedert. Wichtig: Notieren Sie das Datum des Antrags, denn Leistungen werden ab dem Tag der Antragstellung gezahlt, nicht ab dem Begutachtungstermin.
Schritt 2: MD-Begutachtung
Die Pflegekasse beauftragt den Medizinischen Dienst (MD) mit der Begutachtung. Der Gutachter besucht Sie in der Regel zu Hause und bewertet die Selbständigkeit in 6 Modulen nach dem NBA-Verfahren. Die Begutachtung dauert ca. 45–60 Minuten. Privatversicherte werden durch Medicproof begutachtet.
💡 Tipp: Bereiten Sie sich gründlich vor! Unser Ratgeber zur MD-Begutachtung enthält 10 konkrete Tipps, die den Unterschied zwischen Pflegegrad 2 und 3 ausmachen können.
Schritt 3: Bescheid erhalten
Die Pflegekasse muss innerhalb von 25 Arbeitstagen nach Antragstellung entscheiden. Bei Krankenhaus- oder Reha-Aufenthalt gilt eine verkürzte Frist von einer Woche. Wird die Frist überschritten, steht Ihnen eine Entschädigung von 70 € pro angefangener Woche Verzögerung zu.
Welcher Pflegegrad ist realistisch?
Das NBA-Verfahren vergibt Punkte (0–100), die den Pflegegrad bestimmen:
⚠️ Häufigster Fehler: Viele Familien stellen den Antrag zu spät – oft erst, wenn die Situation bereits kritisch ist. Stellen Sie den Antrag, sobald regelmäßiger Hilfebedarf besteht. Auch bei leichter Demenz oder Mobilitätseinschränkungen ist mindestens Pflegegrad 1 realistisch.
🩺 Vorab testen: Machen Sie unseren kostenlosen Pflegegrad-Schnelltest – 18 Fragen nach dem NBA-Verfahren, Ergebnis sofort. So sehen Sie, welcher Pflegegrad realistisch ist, bevor Sie den Antrag stellen.
Seit Juli 2025 gibt es eine der größten Vereinfachungen im Pflegegesetz: Das Gemeinsame Jahresbudget von 3.539 € ersetzt die bisherige starre Trennung in Verhinderungspflege (1.685 €) und Kurzzeitpflege (1.854 €). Das gesamte Budget ist flexibel für beide Leistungsarten einsetzbar.
Was hat sich geändert?
Vor Juli 2025 mussten Sie aufpassen, welchen „Topf" Sie nutzen. Wollten Sie mehr Verhinderungspflege als die 1.612 € (damaliger Betrag), konnten Sie nur 50 % der Kurzzeitpflege umwidmen – und umgekehrt. Diese Einschränkungen sind seit dem Gemeinsamen Jahresbudget (§ 42a SGB XI) weggefallen. Sie können die gesamten 3.539 € z. B. komplett für Verhinderungspflege nutzen.
Verhinderungspflege – wofür?
Ersatzpflege, wenn die Hauptpflegeperson verhindert ist – durch Urlaub, Krankheit, Arztbesuche oder einfach Erholung. Kann erbracht werden durch:
Professionelle Pflegedienste – rechnen direkt mit der Kasse ab
Verwandte bis 2. Grades – maximal das 1,5-fache des Pflegegeldes (z. B. PG 3: 898,50 € für max. 6 Wochen)
Kurzzeitpflege – wofür?
Vorübergehende vollstationäre Pflege in einer Einrichtung – nach Krankenhausaufenthalt, bei Überlastung oder als Überbrückung. Maximum: 8 Wochen/Jahr. Während der Kurzzeitpflege wird 50 % des Pflegegeldes weitergezahlt.
Optimale Nutzung – 3 Strategien
Regelmäßige Auszeiten: Nutzen Sie monatlich einen festen Betrag für stundenweise Verhinderungspflege → 3.539 € ÷ 12 = ca. 295 €/Monat für Entlastung
Kombination mit Entlastungsbetrag: 131 €/Monat Entlastungsbetrag + anteilig Jahresbudget = deutlich mehr Spielraum für Alltagshilfe
Urlaubsvertretung: 2 Wochen professionelle Vertretung (ca. 1.500–2.000 €) + Rest für stundenweise Verhinderungspflege über das Jahr
⚠️ Wichtig: Das Jahresbudget verfällt am 31. Dezember! Es kann nicht ins nächste Jahr übertragen werden. Planen Sie frühzeitig, damit kein Geld ungenutzt bleibt.
🔧 Budget berechnen: Mit unserem Verhinderungspflege-Rechner sehen Sie genau, wie viel vom Gemeinsamen Jahresbudget Ihnen noch zur Verfügung steht und wie Sie es optimal aufteilen.
Der Umzug ins Pflegeheim ist oft unvermeidlich – und eine große finanzielle Belastung. Durchschnittlich zahlen Bewohner 2.500–2.800 € monatlich aus eigener Tasche. Hier erfahren Sie, wie sich die Kosten zusammensetzen und welche Hilfen es gibt.
Woraus besteht der Eigenanteil?
Die monatlichen Kosten im Pflegeheim setzen sich aus vier Posten zusammen:
Einrichtungseinheitlicher Eigenanteil (EEE): Der pflegebedingte Eigenanteil – für alle Bewohner mit PG 2–5 in einer Einrichtung gleich hoch, unabhängig vom Pflegegrad. Durchschnitt: ca. 1.000–1.300 €/Monat.
Unterkunft & Verpflegung: Zimmer, Mahlzeiten, Wäsche. Durchschnitt: ca. 800–1.000 €/Monat.
Investitionskosten: Gebäude, Instandhaltung, Ausstattung. Durchschnitt: ca. 400–600 €/Monat.
Ausbildungsumlage: Beitrag zur Finanzierung der Pflegeausbildung. Ca. 50–150 €/Monat.
Was zahlt die Pflegekasse?
Die Pflegekasse übernimmt einen Zuschuss zum pflegebedingten Anteil (2026): PG 2 = 770 €, PG 3 = 1.262 €, PG 4 = 1.775 €, PG 5 = 2.005 €. Zusätzlich gibt es Leistungszuschläge nach Verweildauer, die den EEE weiter reduzieren:
Im 1. Jahr: 15 % Zuschlag
Im 2. Jahr: 30 % Zuschlag
Im 3. Jahr: 50 % Zuschlag
Ab dem 4. Jahr: 75 % Zuschlag
Was, wenn das Geld nicht reicht?
Wenn Rente, Ersparnisse und Pflegeleistungen nicht ausreichen:
Hilfe zur Pflege (Sozialamt): Das Sozialamt springt ein. Schonvermögen: 10.000 € pro Person. Antrag beim Sozialamt des Wohnorts.
Kein Unterhaltsrückgriff auf Kinder unter 100.000 € Bruttojahreseinkommen (Angehörigen-Entlastungsgesetz seit 2020).
Pflegezusatzversicherung: Wer privat vorgesorgt hat, erhält zusätzliche Leistungen. Je früher abgeschlossen, desto günstiger.
💡 Tipp: Vergleichen Sie Pflegeheime vor dem Einzug! Der Pflegelotse (vdek) und der AOK Pflegenavigator zeigen Preise und Qualitätsergebnisse für ca. 31.000 Einrichtungen bundesweit.
🔧 Eigenanteil berechnen: Mit unserem Eigenanteil-Rechner sehen Sie, mit welchen monatlichen Kosten Sie rechnen müssen – inklusive Leistungszuschläge nach Verweildauer.
Drei Dokumente, die jeder Erwachsene haben sollte – und die im Pflegefall unverzichtbar sind. Ohne Vorsorgevollmacht dürfen selbst Ehepartner und Kinder keine Entscheidungen für geschäftsunfähige Angehörige treffen. Das Gericht bestellt dann einen Betreuer – auch gegen den Willen der Familie.
Vorsorgevollmacht
Die wichtigste der drei Verfügungen. Sie bevollmächtigt eine Vertrauensperson, im Fall der eigenen Entscheidungsunfähigkeit zu handeln – in Gesundheits-, Vermögens- und Aufenthaltsangelegenheiten. Damit kann die bevollmächtigte Person:
In medizinische Behandlungen einwilligen oder sie ablehnen
Den Aufenthaltsort bestimmen (Pflegeheim, häusliche Pflege)
Bankgeschäfte erledigen und Verträge schließen
Behörden- und Versicherungsangelegenheiten regeln
Empfehlung: Notarielle Beglaubigung (ca. 20–80 €), Registrierung beim Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer (einmalig ca. 13–26 €). So findet das Betreuungsgericht die Vollmacht im Ernstfall.
Patientenverfügung
Legt fest, welche medizinischen Maßnahmen Sie in bestimmten Situationen wünschen oder ablehnen. Besonders wichtig bei:
Muss schriftlich und eigenhändig unterschrieben sein. Sollte alle 1–2 Jahre überprüft und ggf. aktualisiert werden. Tipp: Besprechen Sie den Inhalt mit Ihrem Hausarzt – das erhöht die Rechtssicherheit.
Betreuungsverfügung
Ergänzt die Vorsorgevollmacht: Falls das Betreuungsgericht trotzdem einen Betreuer bestellen muss (z. B. weil die Vollmacht nicht ausreicht oder angefochten wird), legen Sie hier fest, wer als Betreuer bestellt werden soll – und wer nicht. Formfrei, Schriftform empfohlen.
⚠️ Dringend bei Demenz: Eine Vorsorgevollmacht kann nur erteilt werden, solange die Person geschäftsfähig ist. Bei fortschreitender Demenz schließt sich dieses Zeitfenster. Handeln Sie frühzeitig – im Zweifel lassen Sie die Geschäftsfähigkeit ärztlich bestätigen.
✅ Checkliste: Nutzen Sie unsere Pflege-Checklisten für eine strukturierte Übersicht, welche Dokumente Sie wann brauchen. Im Glossar finden Sie alle Begriffe rund um Vorsorge erklärt.
Wo aufbewahren?
Alle drei Dokumente sollten an einem sicheren, aber auffindbaren Ort aufbewahrt werden. Empfehlung: Original zu Hause (in einer Notfalldose im Kühlschrank oder einem beschrifteten Ordner), Kopien bei der bevollmächtigten Person und beim Hausarzt. Registrierung beim Zentralen Vorsorgeregister stellt sicher, dass das Betreuungsgericht die Dokumente im Notfall findet.
§5 Prävention – Welche Gesundheitskurse stehen Pflegebedürftigen zu?
Prävention in der Pflege ist kein Nice-to-have – sie ist seit 2016 gesetzlich verankert und mit der BEEP-Richtlinie 2026 (Bundeseinheitliche Empfehlungen zur Erhaltung und Förderung der Eigenständigkeit Pflegebedürftiger) konkret umsetzbar. Trotzdem wissen die wenigsten Betroffenen und Angehörigen, dass ihnen kostenlose Gesundheitskurse zustehen.
Was ist §5 SGB XI?
§5 des Elften Sozialgesetzbuches verpflichtet die Pflegekassen, Leistungen zur Prävention in stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen zu erbringen. Ziel: Pflegebedürftigkeit stabilisieren, Verschlimmerung verhindern und die Selbstständigkeit so lange wie möglich erhalten. Die Pflegekassen finanzieren diese Angebote – für Pflegebedürftige entstehen keine Kosten.
Welche Kurse gibt es?
Die BEEP-Richtlinie definiert fünf zentrale Handlungsfelder:
Sturzprävention: Gleichgewichtstraining, Kraftübungen, Wohnraumanpassung – Stürze sind die häufigste Ursache für Pflegegrad-Verschlechterungen
Ernährung: Mangelernährung erkennen und vorbeugen, Trinkprotokolle, angepasste Kost bei Schluckstörungen
Bewegungsförderung: Alltagsmobilität erhalten, Gymnastik im Sitzen, Spazierganggruppen
Grundsätzlich alle Pflegebedürftigen mit einem anerkannten Pflegegrad (1–5). Die Angebote richten sich an Menschen in der häuslichen Pflege ebenso wie an Bewohner stationärer Einrichtungen. Auch pflegende Angehörige können von bestimmten Präventionsangeboten profitieren – etwa Rückenschulungen oder Stressbewältigungskursen.
Wie finde ich passende Angebote?
Das ist aktuell die größte Hürde: Es gibt kein zentrales Verzeichnis für Präventionskurse nach §5. Mögliche Anlaufstellen:
Pflegekasse: Direkt nachfragen, welche Angebote gefördert werden
Pflegestützpunkte: Kennen oft regionale Kursanbieter
Pflegedienste: Viele ambulante Dienste bieten inzwischen eigene Präventionskurse an
PflegePur Navigator: Unser §5-Präventionstool hilft bei der Dokumentation und Kurssuche
💡 Tipp für Pflegeberater: Die §5-Prävention ist ein hervorragender Einstieg ins Beratungsgespräch. Viele Klienten wissen nicht, dass ihnen diese Leistungen zustehen. Wer im Rahmen einer §37.3-Beratung gezielt auf Präventionsangebote hinweist, schafft echten Mehrwert – und dokumentiert das gleich mit.
Prävention als Pflegeberater empfehlen
Für Pflegeberaterinnen und Pflegeberater bietet die §5-Prävention eine strategische Chance: Bei jedem Beratungseinsatz nach §37 Abs. 3 können Sie systematisch einen Präventionscheck durchführen. Ist der Klient sturzgefährdet? Liegt Mangelernährung vor? Gibt es kognitive Einschränkungen? Die Empfehlung passender Kurse ist nicht nur fachlich sinnvoll – sie hebt Ihre Beratung von der Konkurrenz ab.
✅ Praxistipp: Nutzen Sie den Prävention-Finder auf dem Pflege-Lotse, um für Ihre Situation die passenden Angebote zu identifizieren. Im Glossar finden Sie alle Fachbegriffe rund um Prävention erklärt.